21.02.2020

Besonderheiten des Kaufs von Schloss, Burg oder Herrenhaus

Eine Burg, ein Schloss oder ein Herrenhaus kaufen, ist Traum vieler Menschen, den man lange hegt. Wer sich solch ein Bauwerk leisten oder finanzieren kann, soll jedoch paar sehr wichtige Dinge beachten. Denn ein Schloss kann nicht nur viel Freude sondern auch viel Arbeit und Verantwortung mit sich bringen.

Schloss, Burg, Herrenhaus - verschiedene Gebäudearten

Obwohl im allgemeinen Sprachgebrauch Wörter, wie Schloss, Burg, Herrenhaus häufig mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung verwendet werden, handelt es sich dabei um absolut verschiedene Gebäudearten. 

Schloss

Ein Schloss ist ein Gebäude, das im Auftrag eines Adligen errichtet wurde - ganz unabhängig von seiner Größe oder Gestaltung. Auch kleinere Schlößchen fallen damit genauso unter diesen Begriff wie die großen bekannten Schlösser Chartlottenburg und Neuschwanstein. Es gibt allerdings unterschiedliche Gattungen:


Residenzschloss - ehemaliges Schloss eines Adligen, das neben Wohnsitz auch eine Verwaltungsbehörde beherbergt hat.


Jagdschloss - ein Schloss, das ein Ausgangspunkt für Jagdausflüge diente.


Lustschloss - diente in erster Linie für Freizeitgestaltung von Adligen und wird deshalb mit einem Park oder Garten kombiniert.


Außerdem wird je nach Zeit des Aufenthalts oder den Ort des Schlosses zwischen Sommer- und Winterresidenz und Stadt- und Landschloss unterschieden.


Burg

Eine Burg ist eine mittelalterliche Wehranlage. Während ein Schloss für repräsentative Zwecke diente, sollte eine Burg die Bewohner durch dicke Mauer und einen Graben vor Angreifen schützen

Herrenhaus

Ein Herrenhaus unterscheidet sich ebenfalls in seiner Funktion von Schloss und Burg. Es ist der Mittelpunkt eines Gutes, also eines wirtschaftlichen Betriebs. Es kann sich dabei um ein ehemaliges Rittergut, Adelsgut oder auch ein Weingut handeln, das auch heute seine Funktion erfüllt.

Vielfältige Nutzungsmöglichkeit als Hotel, Firmensitz, private Schule, Altersruhesitz, Reiterhof oder Weingut

Je nach Lage des Schlosses, der Burg oder des Herrenhauses gibt es unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten. Ob das Schlösschen nun inmitten eines Weinguts liegt, das repräsentative Schloss als ein Firmensitz oder eine private Schule dient, das Herrenhaus das Zentrum eines Reiterhofs bildet oder das kleine gemütliche Schlösschen als Altersruhesitz dienen soll. Auf jeden Fall ist es empfehlenswert, sich über die vorherige Nutzung der Immobilie zu informieren und, wenn möglich, den alten Besitzer zu fragen, warum der ursprüngliche Betrieb eingestellt werden musste. 



Soll aus der neuen Immobilie ein Hotel werden und liegt es in einem Wohngebiet, empfiehlt sich auf jeden Fall vorab ein Blick auf den Bebauungsplan der Gemeinde. Dort kann eventuell eine kommerzielle Nutzung ausgeschlossen sein. Der Grund: Reine Wohngebiete genießen baurechtlich den höchsten Schutzanspruch vor jeder gewerblichen Nutzung. Gerade bei Prestigeobjekten ist es aber oftmals möglich, eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken – beispielsweise dann wenn ein kleines Schlösschen öffentlich zugänglich gemacht wird.

Was beim Kauf zu beachten ist?

Da es sich bei Schlössern, Burgen und Herrenhäusern meist um etwas ältere Gebäude handelt, sollten Immobilienkäufer vorab darauf achten, dass die Immobilie gut in Schuss ist. Hierzu sollte er am besten mindestens ein Wertgutachten einholen – am besten aber mehrere, denn Schlösser und Burgen sind auch für Profis schwerer zu beurteilen als gewöhnliche Häuser. Schließlich handelt es sich hierbei um architektonische Unikate.


Wer ein Schloss oder eine Burg kauft, sollte sich bewusst sein, dass er höchstwahrscheinlich eine Immobilie erwirbt, die unter Denkmalschutz steht. Hier empfiehlt es sich frühzeitig, mit der Denkmalschutzbehörde vor Ort in Verbindung zu treten. Bestimmte Sanierungsarbeiten müssen dann erst genehmigt werden, außerdem gibt es in vielen Fällen spezielle Auflagen bezüglich Material und Umsetzung – unter Umständen kann die Sanierung eines Schlosses so sogar teurer werden als ein Neubau. Sanierungs- und langfristige Folgekosten sollten daher frühzeitig kalkuliert werden und Käufer sollten sich nicht von vielleicht günstigen Anschaffungspreisen verlocken lassen.

Steuerliche Vorteile durch Denkmal-AfA

So riskant die Anschaffung einer Denkmalschutz-Immobilie zunächst wirken mag – Käufer haben auch steuerliche Vorteile. Wird die Immobilie saniert, können die anfallenden Kosten als Abschreibung für Abnutzung (AfA) von der Steuer abgesetzt werden. Den Kaufpreis abschreiben können die Eigentümer von Denkmalschutz-Immobilien darüber hinaus dann, wenn die Burg oder das Schloss vermietet wird.


Vor dem Kauf alles genau durchrechnen

Mehr noch als bei anderen Immobilien gilt bei Herrenhäusern, Burgen und Schlössern aber letztlich: So ein Kauf will wohl überlegt sein. Am besten ist es, wenn potenzielle Käufer schon vor dem eigentlichen Kauf Kostenvoranschläge für möglicherweise anfallende Sanierungsmaßnahmen einholen und genau durchrechnen, was die Verwirklichung ihres Traums unter dem Strich kosten könnte. Zudem sollten Käufer einen gewissen finanziellen Puffer mit einplanen. Oft stellt sich erst im Laufe einer Renovierung heraus, welchen zusätzlichen Handlungsbedarf es gibt. Ist das geschehen und ist die Finanzierung gesichert, sollte dem Kauf nichts mehr im Wege stehen.
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